Jeremy Pelt – Our Community Will Not Be Erased

(C) HighNote Records

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Es ist schwierig, Aussage und Botschaft von Musik nachzuempfinden, je ferner man den Bezugspunkten für diese Aussagen lebt. Und es wird schwieriger, je komplexer, atonaler, weniger klassisch erzählerisch Kompositionen sind. Während Smetanas Moldau durch den Rückgriff auf vertraute Themen verhältnismäßig leicht zu lesen ist, ist das bei Jazz ein ganz anderes Kapitel.

Mit seinem jüngsten Album Our Community Will Not Be Erased will der New Yorker Jazz-Trompeter Jeremy Pelts die sozialen Realitäten, die „in diesen Vereinigten Staaten einen geradezu zwingen, ständig die Tugenden und Beiträge der eigenen Gemeinschaft zu hinterfragen, und sei es nur um der positiven Verstärkung willen“, positiv verstärken.

Doch wie sind die sozialen Realitäten in den USA? Und wo in den USA genau? Oder ist es im Kern doch überall gleicht, von der Ostküste über den Rustbelt und die ewigen Weiten der Weizenmonokulturen bis an die Westküste? Das ist schwer zu beurteilen. Weit einfacher ist es, zu erkennen, ob Pelt für sein Projekt „das kulturelles Erbe und musikalische Innovation in Einklang bringt“.

In neun Stücken und knapp 42 Minuten mixt Pelt traditionelle Bob-Elemente, Balladen und Elektronik, integriert gedämpfte Trompete, knackig-hohe 18″ Bassdrum, Kontrabass und Klavier mit Keyboards und hat dazu mit Lenny White am Schlagzeug und Buster Williams am Bass die Elterngeneration der 1940-er gebogenenfür die Rhytrhmus-Gruppe gewonnen, die Pelt, Orrin Evans am Piano und Lasse Corson an den Keyboards als  Kinder eder 1970-er ergänzen. 

Diese Aufstellung schafft per se eine gewisse Dynamik, allein schon mit Blick auf Traditionsverständnis, Erfahrungsschatz, gespielter Jazz-Genre und der Selbstidentifikation im Netzwerk der Bluenotes. Das Ergebnis?

Ein Klangerlebnis. Der Flow der Musik ist beachtlich. Father and Sons betören mit einer sehr atmosphärischen Stimmung, die Manifesto in flinker Bob-Tradition geschwind über den Haufen wirft. The March Into Resilience wirkt in ihrem klassischen Klangkörper wie ein Bollwerk gegen Simplifizierung und Streamlining. Das wiederum konterkariert Brothas on the Corner mit Keyboards, die durchaus ein Drum’n’Bass Stück eröffnen könnten, wozu es dann doch nicht kommt. Our Mothers Nature swingt im 3/4-Takt gemacht aus den Lautsprechern. Fathers And Daughters entfalten den Dialog zwischen einer gedämpften, tiefen Trompete und einem gewissenhaft-sachten Bass-Solo. Und so geht es weiter – bunt, klassisch, überraschend.

Was sehr beeindruckte, ist die hohe akustische Qualität der Einspielung. Die Bühne ist weit und offen, beinahe schon konzertant. Die Instrumente sind dennoch durchweg greifbar, authentisch und sehr detailreich. Es fehlt weder an Dynamik, noch an Musikalität. Und die Balance ist so ausgewogen, dass jedes Stück ein reiner Hörgenuss ist.

Our Community Will Not Be Erased von Jeremy Pelt ist wieder sehr hörenswert, für Traditionalisten ebenso wie für Entdecker. Am besten aber, man ist beides.

 

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Album-Daten

Interpret: Jeremy Pelt
Titel: Our Community Will Not Be Erased
Genre: Jazz
Label: HighNote Records
Jahr: 2026
Spielzeit: 41:51 min
Format: FLAC 96/24
Als Studio Master für 15,00 Euro bei HighResAudio

 

Abbildungen: HighNote Records

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