Kabel-Erkenntnis: monochrom ≠ monoton

Monochrom blau in blau: Der Audioplan PowerStar nach der Modifikation
Monochrom blau in blau: Der Audioplan PowerStar nach der Modifikation

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Selbst ist der Mann heißt eine Heimwerker-Zeitschrift, die seit 1957 erscheint. Sie berät zu vielem, was sich in Haus und Hof verbessern lässt, aber ich kann mich nicht erinnern, dass sie schon einmal geraten hätte, an einer guten alten Audioplan PowerStar Steckerleiste das fest verbaute Stromkabel auszutauschen. Ich habe es trotzdem gemacht, nicht viel erwartet – Audioplan ist schließlich Audioplan – und dann…

 

Die Aufgabe

Meine PowerStar Steckerleiste (Steckerdose?) ist so alt, dass sie nicht einmal ein „S“ aufgedruckt bekommen hat. Nur Audioplan steht drei Mal darauf, und ebenso drei Mal PowerStar, weiß auf blauem Grund. Die clevere Keksdose ist sternverdrahtet – mit 1,5 mm soliden Kupferdraht, wie sich später zeigen wird – und ihre Zuleitung ist fest verbaut. Die Stromversorgung zu tauschen ist daher nur durch einen elektro-chirurgischen Eingriff möglich: 

  • Den Patienten öffnen.
  • Das alte Kabel entfernen.
  • Ein neues Kabel einsetzen.
  • Den Patienten verschließen.
  • Überraschen lassen.

Während der Patient bereits bekannt ist, wäre das Kabel noch zu identifizieren. Es ist ein Supra Cables SUPRA LoRad Excalibur 3 × 2,5 mm², ein Stück lose Ware für 39,95 Euro den Meter, im konkreten Fall auch einen solchen Meter lang und eisblau ummantelt. Sollte es akustisch nichts verbessern, würde es immerhin das optische Erscheinungsbild der Stromverteilung heben, die gut sichtbar auf dem Boden residiert. Eine blaue Dose mit blauem Kabel, schön monochrom – das ist doch auch schon was. 

 

Das Vorgehen

Nun heißt es bekanntlich, dass mit Strom nur hantieren soll, wer das auch gelernt hat, womit gemeinhin der ausgebildete Elektriker adressiert ist. Der bin ich nicht, allerdings habe ich in anderen Kontexten reichlich Erfahrung mit Strom und Leitungen gemacht, so dass ich beherzt den Stecker zog und zum Schraubendreher griff. Nach Lösen der drei Torx-Schrauben im Deckel fiel der Boden ab und das Innenleben wurde greifbar.

 

audioplan powerstar mit original netzkabel und furutech stecker

Es war einmal: Der Audioplan PowerStar mit seinem originalen Netzkabel (und dem schon früher ausgetauschten Stecker von Furutech).

 

Nun war der PowerStar geöffnet, und ich stand vor dem ersten Dilemma: Die Verschraubung von Phase und Minus waren gut verdeckt im Dosenrund platziert und nur mit einem kurzen Bit mit Mini-Knarre für Bits zugänglich. Dachte ich, denn der Deckel des Powerstar hielt fest auf dem Ring, der die Seite der Stromdose bildet. Dann fiel der Deckel nach einer Weile freiwillig ab, was den Zugang zu den wichtigen Schrauben signifikant erleichterte. Danke, Schwerkraft.

Das war indes nicht die einzige Hürde. Das Excalibur ist aus zahlreichen feinen Litzen verdrillt. Reinkupfer und versilbert sind sie alle, aber auch butterweich. Damit sie vernünftigen Halt finden, habe ich sie verdrillt, in Hülsen gesteckt und vercrimpt. Das verbesserte die Situation und führte zur nächsten Hürde: Die Kabel messen 2,5 mm², sie sind also recht dick für den verfügbaren Platz in den Klemmverschraubungen der verbauten Netzbuchse. Hier war neben etwas Formgebung mit der Zange vor allem viel Fingerspitzengefühl gefragt, um den beiden Kabeln für Phase und Minus den notwendigen Anschluss zu verschaffen.

 

audioplan powerstar geöffnet

Spinnenbeine aus massivem Kupferdraht verteilen den Strom: Das Innenleben des Audioplan PowerStars zeigt anschaulich, was sternverdrahtet bedeutet.

 

Nach einer Weile war aber auch diese Hürde überwunden und wurde von der nächsten ersetzt : Der Knickschutz, durch den das Netzkabel in die Dose geführt wird, war zu eng, um die 11 mm Außenmantel des Supra Cables direkt passieren zu lassen. Es musste also erst noch mittels eines 11 mm HSS-Bohrers, der zufällig zur Hand war, mit eben dieser Hand sachte erweitert werden. Bei einem spiralförmig gestalteten Knickschutz kein ganz leichtes Unterfangen, das aber auch gelang. Jetzt war nur noch die erweiterte Kunststoff-Hülle über die Kabelhülle zu schieben, was mit etwas Nachdruck und Geduld gelang.

Auf der Rückseite des Kabels schloss ich noch den Stecker von Furutech an, mit dem ich am Originalkabel des PowerStars bereits dessen eingegossenen Schuko-Winkelstecker ersetzt hatte. Schon war die neue Zuleitung installiert.

Herrlich?

 

Das Klangerlebnis

Als die Kette wieder unter Strom stand, war die erste Frage natürlich: Was hat’s gebracht? Die Antwort überraschte. Denn die Zuleitungen zu den Klangerzeugern besteht bereits aus mehreren Supra Cables mit dem versilberten 2,5 mm² Reinkuper-Drahtgeflecht:

  • Die Pipeline vom Zählerkasten.
  • Die Netzleitung von der Steckdose zum Gleichstromfilter.
  • Die Netzleitung von der Keksdose zum Verstärker.

Bei einer solchen Litzen-Liste dürfte die Versorgung der Stromleiste doch eigentlich nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Und Loriot selig würde kommentieren: Haste jedacht!

Tatsächlich kommt es nämlich ganz anders. Und: Die Änderungen sind sofort hörbar. Signifikant.

  • Der Bass ist voluminöser, straffer und auch schon bei geringerer Lautstärke (max 55 dB) solide präsent.
  • Die Staffelung ist wesentlich klarer und die Positionierung der Schallquellen präzise.
  • Die Stimmen sind perfekt zentriert (wenn man von eventuellen links-rechts-Hörschwächen einzelner Toningenieure absieht)
  • Die Musik fließt. (Fragen Sie im Zweifel einen Bach Ihres Vertrauens, wie das geht.)
  • Die Detailfülle lässt die Musik mühelos erscheinen.

Und das alles ist schon deutlich mit den ersten paar Tönen – von Papa Roach, die gewiss nicht prädestiniert sind, als High-End-Test- und Referenz-Musiker aufzuspielen.

Es kommt mir fast vor, als hätte ich den Strom mit einer Pipeline angeliefert, um ihn mit einem Strohalm an den PowerStar weiter zu reichen. Der Unterschied ist bestrickend und interessiert schließlich auch die Nachbarn, die wissen möchten, warum ich nachts um 11 in meiner Wohnung noch so laut Musik höre. Und sie gleich mit. (Sorry. Es war zu gut.)

Was da zu gut war? Die pauschale Antwort heißt „alles“, ein paar Auszüge aus der Hörliste machen es greifbarer:

  • Der Chor in Kari Bremnes Titel Dene vejen vom Album Og så kom resten av livet hebt der Chor so zart an, dass bestrickend noch untertrieben wäre. Ihre Stimme ist wie ein Gespräch im Raum, die Details der Artikulation bestechen.
  • Das Klirren der Dobro in You And Your Friend von Dire Straits‘ On Every Street ist wunderbar plastisch, die Verteilung der Instrumente generell sehr übersichtlich, das Timbre von Mark Knopflers Stimme nah und warm. Dazu ist die Feinheit und Ruhe im Titel beeindruckend.
  • Auch Change Your Mind von Motivation, dem frischen Album von Robine, erfreut mit einer sehr luftigen und transparenten Darbietung. Ihr Gesang präsentiert sich ausdrucksvoll und greifbar im Hörraum, das begleitende Klanggeschehen ist auch hier sehr fein ausgestaltet, und es transportiert Emotion.
  • Emotion gibt es auch bei Ane Brun. Die mit musikalischen Mitteln erzählte Gefühlslage in Hold Me vom neuen Album I Thought We Were The Same übersetzt die Anlage nahtlos in ein Erlebnis. Die Dynamik-Steigerungen ergreifen direkt, trotz des elektronischen Instrumentariums, was ja tendenziell kalt wirkt.
  • Warm und mit Körper brummt der Bass durch A New Beginning In This Cold Season von Natashia Kellys gleichnamigen Album, und wärmt nicht bloß die Ohren, sondern den ganzen Raum. Die Präsenz und Tragfähigkeit der tiefen und ganz tiefen Frequenzen zeigt sich hier deutlich, ist aber auch sonst – s.o. – eine der auffälligsten Verbesserungen.
  • From Gagarins Point of View, eingespielt von Magnus Öström und Jan Beglund auf ihrem Album e.s.t. 30, ist räumlich klar geweitet, wobei der Hall nicht im leeren Raum vernebelt, sondern einfach mehr Volumen hat. Auch die Bühne ist gewachsen, nicht in der Breite, aber in der Staffelung und Tiefe. Das wiederum führt zu einer besseren Lokalisierbarkeit und Trennschärfe der Darbietung. 

Überhaupt, Trennschärfe. Hier wird gerne mal vom Schleier, der gelüftet wird, und dem Glas, das poliert wurde, geschrieben. Das trifft in gewisser Weise auch hier zu, wäre aber nicht meine erste Wahl. Es ist eher eine Melange aus verbessertem Kontrast zwischen Schallquelle und leerem Raum auf der einen und erhöhtem Signaltransport auf der anderen Seite. Das Resultat ist eine deutlich fokussiertere Darbietung mit klanglichem Zugewinn in Detail und Bass.

 

Fazit

Die Investition von rund 40 Euro für den Kabelmeter ist gut angelegtes Geld, denn die akustische Belohnung ist deutlich üppiger, als erwartet. Der Hintergrund ist, dass die Pipeline, der Gleichstromfilter, dessen Netzleitung und die des Verstärkers bereits einen so erheblichen Zugewinn geschaffen hatten, dass ich der Meinung war, da sei nicht mehr viel Luft nach oben.

Ich habe mich geirrt. 

Die Luft nach oben war deutlich. Und wie auf einem Berggipfel an klaren Tagen ist auch die Fernsicht im Hörraum überraschend gut. Das ist schwülstig? Gut möglich. Trotzdem: Der Klang ist erfreulich weit, entspannt und substanziell. Oder kurz:

Der Klang ist der Hammer.

 

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Abbildungen: HighResMac

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