Himmlisch: Gökhan Sürer – Celestial

(C) Lin Records

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Mitunter braucht es nur drei Musiker, Könner ihres Fachs, und schon lebt jeder Ton. Solche Trios gibt es im Rock, es gibt sie aber auch – und in weit größerer Vielfalt – im Jazz. Gökhan Sürer hat diesem Jazz-Mosaik mit seinem Album Celestial eine weitere Facette hinzugefügt.

Ein Album als „himmlisch“ zu betiteln, ist mutig und legt die Latte hoch. Die Trio-Besetzung verspricht allerdings Potenzial: Gökhan Sürer ist ein türkischer Pianist mit Wohnsitz in Barcelona. Dort traf er auf den Flamenco-Bassisten Sergio Di Finizio und den el-salvadorianischen Schlagzeuger Octavio Salman. Zu dritt haben sie Celestial eingespielt, und das abwechslungsreich, stimmungsvoll und mit einer ganz eigenen „Jazz, Made in Europe“-Note. Wie das klingt?

Likya scheint wie ein in Musik gefasstes, poetisches Portrait der türkischen Gegend Lykien. Es fängt seine diversen Spannungsbögen mit einem melodisch-sanftem Thema immer wieder ein und eröffnet das Album sehr charmant.

Cinco Ochito vermischt im Thema rockigen Drive und kräftige Klänge mit traditionellen Melodie-Formen, die türkisch anmuten, während die Solopassagen eher sanft ein Gegenbild schaffen, und es ist, wie der Name schon vermuten lässt, im 5/8-Takt geschrieben.

Aynalıçeşme, was Brunnen mit Spiegeln“ bedeutet, portraitiert mit viel Ruhe und Detail das gleichnamige Quartier in Istanbul, das nach einem Brand Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen Holzgebäuden originalgetreu wieder aufgebaut wurde, was es heute zu einem besonderen Zeugnis einstiger Architektur macht. Die Musik ist wie ein aufmerksamer Spaziergang und macht neugierig auf den Ort.

Spritzig fließt Lowpass, dessen Tonalität erstaunlich tief angesiedelt ist, als wollte es ein Loblied auf den Lowpass-Filter singen. Allerdings kommen durch die Tonalität auch die Piano-Läufe und Synthesizer-Klänge ganz besonders schön zur Geltung, was die Atmosphäre des Stücks wesentlich hebt. 

Ayin bewegt sich mit schwerem Fundament unter den munter-filigranen Tastenläufen, die ba und an die Harmonien brechen, was reizvoll ist. Gleiches gilt für die teil vertrackte Rhythmik und die zupackenden Solopassagen.  

In Once tragen Klavierläufe wie ein Echo der Erinnerung, teils unisono im Bass und mit dem Bass wie ein trauriger Rückblick, unter dem ein Schlagzeug-Solo Unruhe stiftet.

Und Palmera versucht sich an einem akustischen Portrait der katalanischen Kleinstadt nahe dem Mittelmeer, interessanter Weise mit elektronischen Klängen von den Tasten, was ein bisschen Disco- oder Partyfeeling erzeugt.

Gemischt ist Celestial sehr offen und luftig. Das Trio verteilt sich auf einer geräumigen Bühne und ist auch im Detail prima zu orten. Dazu variiert der Raumklang abhängig vom Titel in überzeugender Weise – Palmera beispielsweise greift mit seinen elektronischen Klängen weit über den Kern der Bühne und erzeugt eine erstaunliche Klangfülle im Hörraum. Das wusste ein Tonmeister, was er tat.

In Summe: Ein Album, das berührt und zugleich Spaß macht!

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Album-Daten

Interpret: Gökhan Sürer
Titel: Celestial
Genre: Jazz
Label: Lin Records
Jahr: 2026
Spielzeit: 44:19 min
Format: FLAC 48/24
Als Studio Master für 15,00 Euro bei HighResAudio

Abbildungen: Lin Records

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