Wunderbar: Steve Swallow – Winter Songs

(C) ECM Records

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Es entbehrt nicht eines leicht schrägen Humors, knapp nach der Sommer-Sonnenwende ein Album mit dem Titel Winter Songs zu veröffentlichen. Zumindest auf der Nordhalbkugel des Globus, auf der Bassist Steve Swallow beheimatet ist. Doch damit nicht genug, sind die Titel einfach durchnummeriert – One, Two, Three,… bis Nine. Wobei…

Ziffern haben den Vorteil, Hörer nicht sinnlos auf die Pirsch zu schicken. Namen wie My First Day in Houston oder Carlotta Sighs At Midnight verführen, nicht dem Gesamtereignis der Musik zu folgen, sondern stattdessen nach Belegen für eine Emotionalität zu suchen, die sich zwischen den Klängen offenbart, wenn man nur ausreichend interpretatorisch hört. Ganz anders die bezifferten Winter Songs.

Six beispielsweise zeigt sich als spielfreudiger Fünfminüter, in dem die Bläser mit lyrischen Soli für angenehme Unterhaltung sorgen. Seven öffnet mit einem Piano-Bass-Duett, in dem zwei Musiker aufeinander hörend eine gemeinsame Stimmung einfangen, bevor sich der eine und dann der andere auf Solopfade begibt und sie gemeinsam die Intensität verdichten. Und One und Nine spielen voll Ruhe und Zeit, in der sich die Musik wie Gedanken entfalten kann, und umfassen die übrigen Titel wie eine Klammer.

Aber sind das alles auch Winter Songs?

Wie man es nimmt. Charakteristisch ist für das Album die souverän zurückgenommene Performance. Die Noten drängeln sich nicht und die Musiker brillieren gelassen und entspannt, als hätten sie Zeit, wie an einem langen Winterabend – es ist eh nichts zu tun, genießen wir das Miteinander! 

Steve Swallow sagte über die Entstehung der Winter Songs, statt wie bisher der Musik alles zu geben, was er hatte, habe ihm hier die Musik gegeben, was er brauchte. Ergänzt um den Hinweis, „Musik ist elementar, wie die Luft, die wir atmen“. Wenn das ein 85-Jähriger sagt, wird er wissen, wovon er spricht.

Das Sextett, das sich die Luft teilt, besteht aus Steve Swallow am Bass, seinem langjährigen Wegbegleiter Adam Nussbaum am Schlagzeug, dazu Gil Goldstein am Klavier, Gitarrist Steve Cardenas, Trompeter Mike Rodriguez und Saxophonist Chris Cheek. Vereint sind somit drei Generationen profunder Jazz-Interpreten der New Yorker Szene, die sich entspannt entfalten.

Und zum Entfalten bietet die Aufnahme den perfekten Rahmen: Die Bühne eines großzügigen Clubs schafft Atmosphäre im Hörraum und erlaubt zugleich, die jeweiligen Interpreten im Klanggewebe zu identifizieren. Über Kopfhörer liefert sie zudem eine Fülle an Transienten und Details, die aus den Winter Songs ein geradezu intimes Erlebnis machen.

Eine wunderbare Einspielung.

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Album-Daten

Interpret: Steve Swallow
Titel: Winter Songs
Genre: Jazz
Label: ECM Records
Jahr: 2026
Spielzeit: 41:35 min
Format: FLAC 96/24
Als Studio Master für 17,50 Euro bei HighResAudio

 

Abbildungen: ECM Records

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