Introspektive: Dāvids Eglītis – Reflections on Becoming

(c) ZenneZ Records

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Die Zeit in alen ihren Facetten erkunden – das möchte der lettische Drummer Dāvids Eglītis in seinem Debüt-Album Reflections on Becoming. In sieben Stücken reflektieren er und seine Begleitmusiker über das Werden. Wie es geworden ist?

Ein bisschen könnte es selbstironisch sein: Premonition, Vorahnung, nennt Eglītis den Auftakttitel, der gute eineinhalb Minuten zwischen Stimmen im Orchestergraben und Parallel-Solieren pendelt, bevor er sich langsam zu etwas gemeinsamer Struktur aufrafft – und endet, aber eigentlich eher in Start Over übergeht, das als klassisch geschmeidige Jazz-Nummer die ersehnte Form liefert, die swingt und grooved und die Ohren spitzen lässt. Was kommt da noch? Die Ballade Mean It, könnte man denken, bis diese in eine Uptempo-Nummer wechselt und mit Schwung in eine vierteilige Gruppe von Stücken mündet.

Part 1. Envision scheint eine Erzählung in Klang zu sein, mal fragend, dann euphorisch vorwärts drängend, innehaltend, weitergehen – ein kompositorisch wie spielerisch dynamisches Stück, das wie in einem dunklen Tunnel in Part 2. Look How Far You’ve Come mündet. Das nimmt die Leerstelle auf und füllt sie mit einem gut achtminütigen Drumsolo, das stilistische einiges an Vorbildern zitiert – Elvin Jones, Jeff „Tain“ Watts oder auch Jeremy Dutton und was die Struktur mancher Rolls angeht, vielleicht auch Pierre Morlean. Part 3. Hope And Doubt führt das Drumsolo aus Part 2 zu Ende und geht in ein freudig-optimistisches Klanggefüge mit viel Verve über, dessen Staffelstab Part 4. Prayer übernimmt, das zarte und zurückgenommen Ruhe und Entspannung ausstrahlt, ganz so, als sei jemand glücklich angekommen.

Eingespielt hat Eglītis sein Album mit Claudio Jr De Rosa an Saxophon und Bassklarinette, Enrio LeNoci an der halbakustischen Gitarre, Daniel Bulatkin am Piano und Arjun Ramdas am Kontrabass. Sie alle hat er während seines Studiums am Royal Conservatory in The Hague in den Niederlanden kennen gelernt, wo auch das Album aufgenommen wurde. 

Das glänzt neben der Musik an sich auch mit einer tollen Akustik. Die Instrumente präsentieren sich mit Körper, insbesondere Bass und Bassklarinette haben Volumen. Das Schlagzeug ist in seiner Dynamik von fein bis wuchtig jederzeit gut zu fassen. Piano und Gitarre klingen authentisch und warm. Gespielt wird auf einer mittleren Bühne, die eher breit als tief ist und die Klangquellen gut sichtbar auffächert. 

Eine schöne Premiere auf der Jazz-Bühne.

 

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Album-Daten

Interpret: Dāvids Eglītis
Titel: Reflections on Becoming
Genre: Jazz
Label: ZenneZ Records
Jahr: 2026
Spielzeit: 43:37 min
Format: FLAC 96/24
Als Studio Master für 15,00 Euro bei HighResAudio

Abbildungen: ZenneZ Records

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