Mit positivem Nachhall: David Giesel – Echoes of the Unknown

Die Reihe Jazz Thing Next Generation des Magazins Jazz Thing ist weiterhin fleißig dabei, herausragende Talente der Jazz-Szene zu entdecken und ihnen den Weg auf den Markt zu ebnen. Der jüngste Neuzugang in der Reihe ist David Giesel mit seinem Album Echoes of the Unknown, eine in vielfacher Hinsicht bemerkenswerte Ergänzung der inzwischen 110 Longplayer zählenden Klang-Sammlung.
Eingespielt wurden die 41 Minuten und 37 Sekunden feinster Jazz-Stücke in nur zwei Tagen. Produzent war Paolo Almeida, ein brasilianischer Schlagzeuger, der seit 2019 in Basel lebt und am dortigen Jazz Campus lehrt. Er half Giesel, seine Ideen in Form zu bringen und mit dem Gitarristen Albin Ormegard, dem Pianisten Moritz Langmeiaer und dem Kontrabassisten Thomas Fuller in Klangwelten zu überführen.
Erfreulich an Echoes of the Unknown ist, dass es kein Album für Drum-Nerds ist. Erfreulich ist allerdings auch, dass dem Schlagzeug ein gleichwertiger Raum eingeräumt wird, es sich also dort, wo es passt, mit Wucht und Rumms äußern darf, und an anderer Stelle dezent im Hintergrund das Geschehen mit gestalten kann, sein dynamisches Vermögen also als Wert ausgespielt wird. Solches ist eher rar in der Klangwelt, ebenso wie der augeprägte Bassanteil der Bassdrum, die sich körperreich präsentiert.
Interessant ist auch der Ansatz, mit dem das album in Teilen eingespielt wurde. Das Wuartett ist miteinander befreundet, manches ist daher nicht Komposition, sondern ad-hoc Ereignis. Dazu gehört auch der Auftakt von Trial and Error, dem ersten Sütck des Albums. Es ist eine Improvisation, ein Einfach-drauflos-gespielt von Giesel, von dem er sagt, erst im Nachhinein sei ihm deutlich geworden, was er da gemacht habe. Gemacht hat er es gut.
Gut ist auch das delikate Besenspiel von Day Dream, das sich famos mit den auf- und abblendenden Tönen der Gitarre zu einem Klangteppich fügt, der Klavier und Kontrabass Raum für ihr verflochtenes Spiel öffnet. Gleiches gilt für Where Nothing Is Certain and That’s Okay, das zudem mit einem charmanten Bass-Solo erfreut.
Von anderem Charakter ist My Heart Is Dancing Into The Universe, das von der Gitarre getragen, deren melodiöses Spiel den Titel durchzieht. Die Rolle des melodischen Trägers teilen sich Gitarre und Piano bei This Is for Jim, das als Ballade ruhe in den Musikfluss bringt. Etwas aus der Rolle fällt das spritzige Moods, das Dea Bryants Sprechgesang zum Ende hin in eine überraschende Nachdenklichkeit ausbremst.
Die Aufnahme von Echoes of the Unknown ist beeindruckend transparent, klar und greifbar. Sämtliche acht Stücke präsentieren sich auf einer dicht an den Hörplatz gerückten Bühne, die zwischen Clubcharakter und Kammermusik-Quartett einzuordnen ist. Die Instrumente auf ihr sind durchweg körperreich und kräftig, stehen solide an ihrem Platz, klar ortbar und mit sehr natürlichem Frequenzspektrum. Das wirkt ehrlich und glaubhaft, wovon die Einspielung zusätzlich profitiert.
Giesel selbst sagt zu seiner Musik und seinem Spiel, er lasse sich von den Worten Joey Barons leiten, der sagte, Musik sei wie ein Haus, und man sei nur ein Gast darin; man betrete es mit Achtsamkeit, respektiere den Raum und reagiere auf das, was geschieht. Die Frage im PR-Beiblatt, warum diese Erkenntnis vor allem bei Schlagzeugern reife, dürfte sich zum Teil aus der Komplexität des Instruments herleiten, vor allem aber auch dem Leitsatz, den jeder Schlagzeuger immer wieder eingebläut bekommt: Man solle der Musik dienen.
Wie dienlich Giesel spielt, komponiert und arrangiert, wo er nicht Leine lässt, zeigt Echoes of the Unknown bilderbuchhaft: Ein klanglich wie musikalisch schönes Debut.
Album-Daten
Interpret: David Giesel
Titel: Echoes of the Unknown
Genre: Jazz
Label: Double Moon Records
Jahr: 2026
Spielzeit: 41:37 min
Format: FLAC 96/24
Als Studio Master für 15,00 Euro bei HighResAudio
Abbildungen: Double Moon Records


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