Ausdrucksstark: Eric Lu – The Impromptus Opp. 90 & 142

Weiter geht’s mit Schubert: Nach der Einspielung von Teilen des Spätwerks Schuberts 2018 und zweier Piano Sonatas 2022 widmet sich der amerikanische Pianist Eric Lu jetzt den Impromptus 92 und 142 des österreichischen Frühromantikers. Exakt eine Stunde, zwölf Minuten und 32 Sekunden dauert die Darbietung der dreizehn Stücke, da Lu das Impromptus Op. 142, Nr. 3 um fünf Variationen erweitert hat.
Die Impromptus, lyrische Klavierwerke aus den letzten Lebensjahren Schuberts, verteilen sich auf zwei Gruppen mit je vier Stücken. Die Stücke des ersten Impromptus Nr. 90 schrieb er im Sommer und Herbst 1827, die vier Impromptus Nr. 142 folgten einige Monate darauf im Dezember desselben Jahres, ein Jahr vor seinem frühen Tod mit 31 Jahren.
Bezeichnet der Begriff Impromptus eigentlich eine Improvisation oder einen augenblicklichen Einfall, wirken die Kompositionen dennoch vollkommen ausgereift und integrativ. Beispielsweise verweist der überraschende Wechsel der Tonart zu es-Moll am Schluss des Impromptus Op. 90 Nr. 2 auf das terzverwandte Ges-Dur des Impromptus Op. 90 Nr. 3. Und nur das erste Impromptus Oo. 90 Nr. 1 hat tatsächlich den spielerischen, variablen Charakter einer Improvisation.
„Für mich gehören die Impromptus zu den größten Schätzen innerhalb der Klavierliteratur“, sagt Lu über die Kompositionen. Es seien so wunderbare, tiefgründige Stücke – quasi die Quintessenz Schuberts. Das Gefühl einer inneren Reise sei omnipräsent in den Impromptus, in denen Emotionen sich beständig wandeln und miteinander in Widerstreit stehen.
Die Einspielung durch Eric Lu unterstreicht diese Dynamik ebenso wie den lyrischen Charakter der Klavierwerke. Sein Spiel ist gleichermaßen feinfühlig wie dynamisch und ausdrucksstark. Das ist besonders exzellent im Impromptus Op. Posth. 142, Nr. 1 zu verfolgen, bei dem die dynamischen Kurven exquisit bis an die Grenzen ausgespielt werden.
Auch sonst beweist Lu durchgängig ein exzellentes Gespür für den richtigen Ton und verleiht den Kompositionen Ausdruck, Körper und Gewicht. Charmant, wie er das dramatische Element im Impromptus Op. 90 Nr. 4 herausspielt, um mit leichten Fingern in die fließenden Läufe zu wechseln. Oder wie er das Impromptus Op. Posth. 142, Nr. 3 in den ergänzenden fünf Variationen in immer neuen Facetten beleuchtet: mal tänzerisch-pointiert (Variation 1), mal atmend wie ein Walzer (Variation 2), mal tragisch-schwer (Variation 3) – jedes in sich schlüssig und im Ausdruck vollkommen überzeugend.
Überzeugend ist auch die Aufnahme an sich. Sie stellt einem den Flügel direkt in den Hörraum, und zwar nicht quer, sondern mit Blick direkt auf den Pianisten. So oszillieren die Klavierläufe vom Diskant auf der Linken in den Bass auf der rechten, fast als säße am Fußende des Konzertflügels, dessen Wucht und Körper den Hörraum durchgehend authentisch und mit Körperfülle beschallen.
Das macht Eric Lus Einspieleung von Schuberts Improptus zu einem vollumfänglichen Genuss. Kein Wunder daher auch, dass er 27-jährig jüngst den XIX. Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau gewann. Er ist eben ein feinfühliger wie ausdrucksstarker Kenner und Könner seines Instruments.
Album-Daten
Interpret: Eric Lu
Titel: Impromptus, Op. 90 & 142
Genre: Klassik
Label: Warner Classics
Jahr: 2026
Spielzeit: 1.12:32 min
Format: FLAC 96/24
Als Studio Master für 17,50 Euro bei HighResAudio
Abbildungen: Warner Classics


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